„Stromausfall“ – Fehlschlag beim ersten Stresstest der Freileitung

Das Sturmtief Yulia am 23. Februar war heftig – aber kein ganz außergewöhnlicher Wintersturm. Schäden wie an diesem Tag – oder noch schlimmere – können jederzeit wieder auftreten. Ein Test war der Sturm auch für die Sicherheit der 110-kV-Freileitung, für die gerade die Trasse freigeschlägert wird. Spoileralarm: Die Leitung ist massiv gefährdet. Die Warnungen der Erdkabelkämpfer haben sich bestätigt. 
(Foto: Stämme wie diese hätten kaum mehr als 4 Meter von den Leiterseilen entfernt gestanden.)

Die Szenerie ist bedrückend: Eine Schneise von rund 25 Metern Breite zieht sich durch den Fichtenbestand am Bergrücken zwischen Steinbach und Inzersdorf, gut 800 Meter vom Kronbauerngut entfernt. Ein sogenannter Trassenaufhieb, zwangsweise auf dem Weg der Enteignung durchgesetzt. Bäume, die bisher mitten im Bestand sicher waren, sind plötzlich „Randbäume“. Wind, Sonne und Schneelasten greifen die Stämme von einem Tag auf den anderen einseitig an.

Dann geschieht, wovor die ortskundigen Waldbesitzer von Anfang an gewarnt hatten:  Es ist nicht einmal ein Orkan, der binnen Minuten 13 Bäume umwirft – teils wie Streichhölzer geknickt, teils entwurzelt, manche um die 40 Jahre alt und daher durchaus wuchtig. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass diese Stämme die Hochspannungs-Leiterseile abgerissen hätten; vielleicht wären auch die benachbarten Masten Nr. 87 und 88 dadurch eingegeknickt – wäre die Leitung schon fertig errichtet.

Fahrlässig eingebautes Risiko – und die Behörde schaut weg

Hier geht es nicht nur darum, dass der Trassenaufhieb besonders in dieser exponierten Lage dazu führen kann, dass Stürme die ungeschützten Ränder immer weiter aufreißen. Darauf und auf weitere erwartbare Schäden haben bereits die Amtssachverständigen hingewiesen. Es entsteht insgesamt „waldbaulich ein immens großer Schaden“, wie es der betroffene Waldbesitzer formuliert.

Die fatale Situation ist darüber hinaus Folge eines unglaublichen Behördenversagens. Denn unter anderem aus Sicherheitsgründen haben das Land ebenso wie die Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf die Leitung im Wald ursprünglich mit einer deutlich breiteren Trasse bewilligt – entsprechend der einschlägigen ÖNORM. Diese soll genau dies verhindern: dass Bäume in die Leitung fallen können. Und zunächst hat die Energie AG das auch in allen Plänen und Einreichungen berücksichtigt.

Doch dann tauchte die Frage auf, ob aufgrund der großen Waldflächen – 39 Hektar sollten betroffen sein – nicht eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich ist. Daraufhin reichte die Energie AG plötzlich eine Trasse ein, bei der nur noch die absoluten Mindestabstände zwischen Wald und Leitung vorgesehen waren: ganze 4 Meter zu beiden Seiten hin. Leicht nachvollziehbar, dass damit kein Hineinfallen eines Baums in die Leitung verhindert wird – was sich nun mit Wintersturm Yulia eindrucksvoll erwiesen hat.

Ein Fall von Amtsmissbrauch?

Das Land Oberösterreich, genauer die Abteilung Anlagen-, Umwelt- und Wasserrecht, ist seit Monate darüber informiert, dass die Energie AG ihre Freileitung unter Verletzung klarer Bescheidauflagen errichtet. Es gibt auch eine anwaltliche Aufforderung, diesbezüglich tätig zu werden, denn jeder Beamte ist verpflichtet, einem Verdacht einer Verwaltungsübertretung nachzugehen.

Gebetsmühlenartige Antwort: Wir können dies erst nach Fertigstellung der Leitung überprüfen – denn die Energie AG könnte ja nachträglich weitere Fällungen beantragen. Nur: Genau das hat der Konzern bereits in mehreren Gerichtsverfahren, in denen die Waldflächen zur Diskussion standen, kategorisch ausgeschlossen. Aus einem fadenscheinigen Grund: Es fehlen nicht einmal 2 Hektar (das wären 100 x 200 Meter) zur Überschreitung des Schwellenwerts für eine UVP. Und damit wären alle Bewilligungen vom Tisch. Schlimmer: Auf Verlangen jedes Grundeigentümers müssten bereits errichtete Teile der Leitung unverzüglich entfernt werden. Ein beispielloses Fiasko.

 

 

 

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