Dieser Mann sagt die Unwahrheit – und weiß es genau

In einem Interview mit dem Freien Radio Salzkammergut vom 26. Juni hat Konzernsprecher Wolfgang Denk (Energie AG) die alten Lügen aufgewärmt, die seit inzwischen über acht Jahren der Bevölkerung weismachen sollen, dass die Forderung der ganzen Region nach einem Erdkabel unrealistisch sei. Wir dokumentieren die Äußerungen hier im Wortlaut – und zeigen, warum sie absurd sind.
(Symbolfoto: Wolfgang „Donald“ Denk, Konzernkommunikation Energie AG)

Die Frage von FRS-Redakteur Jörg Stöger an Wolfgang Denk lautete, warum die Energie AG die geplante 110-kV-Leitung nicht, wie von den Anrainern gewünscht, als Erdkabel ausführen möchte. Darauf Denk wörtlich: „Wir haben … das Problem, dass wir nur einen bestimmten Anteil des Stromnetzes als Kabel ausführen können. Diese Leitung … würde diese vorhandene Reserve überschreiten, und wir brauchen diese Reserve im dichtverbauten städtischen Gebiet. … Bei uns im konkreten Fall auf der 110-kV-Ebene sind wir allerdings aufgrund der physikalischen Grenzen der Betriebsweise des gelöschten Netzes an diese vorhandenen Grenzen gebunden.“ (Die ausgelassenen Stellen ändern an der Aussage nichts, das lässt sich anhand des Sendungsmitschnitts nachprüfen.)

Um es ganz deutlich zu sagen: Das ist Bullshit, vor allem aus dem Munde eines Mannes, der die Auseinandersetzung zu „Freileitung versus Erdkabel“ von Anfang an mitverfolgt hat und die Argumente in- und auswendig kennt. Denn Tatsache ist: Dem geforderten Erdkabel wurde im (auch von der Energie AG nie angezweifelten!) Gutachten der TU Graz die volle „Erfüllung der Erfordernisse einer langfristigen, sicheren und effizienten Energieversorgung“ bestätigt. Die technische Ausführung des Erdkabels ist genau darauf ausgelegt, die von Denk genannten „Reserven“ für den weiteren Netzausbau gar nicht anzutasten!

Die zweite grobe Unwahrheit betrifft die Mehrkosten des Erdkabels. Dazu macht Denk folgende Milchmädchenrechnung auf. Das Erdkabel kostet das Zweieinhalb- bis Dreifache der Freileitung, sie hält aber nur halb so lange. Daher koste das Erdkabel „in Wirklickeit“ das 6-fache. Was der Hütchenspieler der Energie AG unter den Tisch fallen lässt: Ein Großteil der Anfangskosten des Erdkabels fallen natürlich bei einem Kabeltausch nicht noch einmal an: Planung, Entschädigungen, Einpflügen, Umspannwerk…

Die schlichte Wahrheit lautet: Rund 1,50 Euro pro Jahr (!) kostet es den durchschnittlichen von der Energie AG versorgten Haishalt zusätzlich, wenn ein Erdkabel statt der Freileitung gebaut wird.

Woanders sind schon wegen harmloserer Falschaussagen Politiker oder Konzernvorstände zurückgetreten – bei der Energie AG scheint dieser abenteuerliche Umgang mit Fakten zur Qualitätssicherung zu gehören.

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Was ist denn jetzt mit der Leitung?

Mastfundamente und erste Masten auf freiem Feld, freigeschlagene Waldflächen, Baustellenverkehr…  Baut die Energie AG jetzt doch die Freileitung? Die demonstrativen Maßnahmen des Konzerns schaffen Verunsicherung: Ist der Kampf für das Erdkabel verloren? Die Antwort lautet ganz klar Nein. Die vermeintlich vollendeten Tatsachen können schon morgen teure Bauruinen sein.
(Foto: Fällung ohne Bewilligung in Kirchham)

An vielen Stellen vor allem in Vorchdorf und Kirchham sind Bauwege, Fundamente und erste Mastgerüste zu sehen. Punktuell sind Waldflächen an Maststandorten geschlägert. Es gibt Anzeigen wegen Fällungen ohne Bewilligung – bislang ohne dass die Behörde dagegen einschreitet. An anderen Stellen wird noch begutachtet, ob Rodungsbewilligungen fehlen. Das alles ist aber nur „Kleinkram“ – obwohl die Eingriffe in Natur und Landschaft bereits schmerzhaft spürbar sind.

Denn: Dass dies überhaupt geschieht und viel Geld verbaut wird, das am Schluss die Bevölkerung bezahlt, ist der eigentliche Skandal. Auch wenn die Energie AG zumindest teilweise zu Recht auf bestehende Bewilligungen verweist – sie spielt mit hohem Risiko. Denn nach wie vor hängt die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wie ein Damoklesschwert über dem Freileitungsprojekt: Hier geht es um die Waldflächen, auf denen für die Leitung Bäume gefällt werden müssen bzw. nur noch wenige Meter hoch wachsen dürfen. Diese „Trassenaufhiebe“ sind nach Überzeugung der Europäischen Kommission als Rodungen zu betrachten. Und das bedeutet, dass die gesamten bisherigen Bewilligungen für die Leitung unwirksam werden können.

Beantragt und bewilligt wurde nämlich in den wesentlichen Verfahren eine Waldtrasse von 39 Hektar. Rodungen sind aber bereits ab 20 Hektar zwingend nach dem UVP-Gesetz zu bewilligen. Bei dieser Umweltverträglichkeitsprüfung wiederum ist die mehrfach geprüfte Erdkabelvariante Gegenstand des Verfahrens. In jedem Fall gibt es aber ab dem Moment, wo eine UVP-Pflicht festgestellt wird, keine Bewilligung mehr für die Freileitung, an der die Energie ebenso selbstbewusst wie verantwortungslos baut.

Fake-News-Karussell der Energie AG läuft heiß

Wenn Konzernsprecher Michael Frostel von der Leine gelassen wird, dann werden Tatsachen zur Nebensache. Das ist für uns in acht Jahren Kampf für das Erdkabel schon längst Routine geworden. Doch was er jetzt binnen weniger Tage alles frei fabuliert hat, das ist schon olympiareif. Allerdings, es regnet nicht Medaillen, sondern Märchen.

Baubeginn der umstrittenen 110-kV-Freileitung und Klagedrohungen gegen Grundeigentümer, die in einem laufenden Behördenverfahren zur Leitung Stellungnahmen abgegeben haben, – das waren zwei Nachrichten, die zuletzt für Aufmerksamkeit sorgten. Mehrere Medien berichteten – und ließen Frostel zu Wort kommen. In beiden Fällen erlitt er akuten Fakten-Durchfall. Hier die haarsträubenden Fake News der Energie AG.

„Alle Genehmigungsverfahren positiv abgeschlossen“
Ganz unmissverständlich im Widerspruch zur Wahrheit äußerte sich Frostel in den Oö. Nachrichten: „Alle Genehmigungsverfahren sind positiv abgeschlossen“, lässt er sich zur Begründung des Baubeginns zitieren.
>>> Das könnte stimmen, wenn man die „Kleinigkeit“ von fast 10 km Waldtrasse vernachlässigt, für die noch nicht einmal alle Fällungsanträge gestellt, geschweige denn bewilligt sind. Dabei handelt es sich nach einhelliger Meinung aller Gutachten bisher um den überhaupt gravierendsten Eingriff in Landschaft und Natur durch die Freileitung.

„Die Klausel ist durchaus in den Verträgen enthalten“
Genau gegen diesen Eingriff wehrten sich Waldbesitzer auf Einladung der Landes-Forstbehörde mit negativen Stellungnahmen – nur um von der Energie AG massiv bedroht zu werden (siehe letzten Bericht) – angeblich, weil sie in Dienstbarkeitsverträgen mit der Energie AG auf Einwendungen etc. verzichtet hätten. Dies sei „durchaus in den Verträgen enthalten“, schwadronierte Frostel.
>>> Nichts davon stimmt auch nur ansatzweise – siehe Auszug aus den Originaldokumenten.

„Ein negativer Bescheid des EuGH ändert nichts“
Dass die Energie AG auf eigenes Risiko zu bauen beginnt, solange der Europäische Gerichtshof noch über den Rodungsflächen brütet, wurde im Bericht des ORF Oberösterreich richtig wiedergegeben. Frostel meinte, beim EuGH gehe es darum, „ob dieser der Rechtsmeinung Österreichs folgt – die klar festgestellt hat, es ist keine UVP notwendig – oder nicht, aber auch ein negativer Bescheid des EuGh ändert eigentlich nichts an der Genehmigung“.
>>> Genau deshalb, weil unklar war, ob eine UVP nötig ist, hat das österreichische Höchstgericht den EuGH angerufen. Und wenn dieser feststellt, dass die Waldtrasse als Rodungsfläche gilt, dann lösen diese 39 Hektar eine UVP aus – und dann fliegen der Energie AG alle bisherigen Genehmigungen um die Ohren.

Wann endlich, ist die Frage, macht sich die Energie AG ehrlich und sagt einfach ohne Umschweife, Ausreden und Irreführung, dass ihr die Meinung der Bevölkerung, die Umwelt, geltende Vorschriften, vor allem aber die betroffenen Menschen herzlich egal sind?

Energie AG setzt auf brutalen Druck

My PostBetroffene dürfen im Bewilligungsverfahren keine negativen Stellungnahmen mehr abgeben. Das verlangt die Energie AG jetzt unter Androhung von Klagen und Schadensersatzforderungen von denjenigen, die für die Stromleitung einen Dienstbarkeitsvertrag unterschrieben haben. Dazu Initiativen-Anwalt Dr. Wolfgang List: „Ich verstehe, dass derzeit bei der Energie AG die Nerven komplett blank liegen.“

List vertritt Anrainer und Gemeinden, die für ein Erdkabel kämpfen, bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof (EuGH). Er meint: „Sie haben jetzt offensichtlich eingesehen, dass sie beim EuGH mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren könnten und in Folge eine Fehlplanung von vielen Jahren verantworten müssen. Aber mit einem derartigen Vorgehen löst man nicht das Problem.“ Aktueller Anlass: Eine ganze Reihe von Waldbesitzern hatte auf ausdrückliche Einladung der Landes-Forstbehörde Stellungnahmen abgegeben. Darin wehren sie sich gegen den Antrag der Energie AG, Schlägerungen für die geplante 110-kV-Leitung Vorchdorf–Kirchdorf zu bewilligen.

Mehrere Betroffen wurden kürzlich von Vertretern der Energie AG besucht, angerufen oder erhielten einen Brief. Darin werden „erhebliche Verfahrens-, Gerichts- und Vertretungskosten“ sowie die Haftung „für zukünftige Verzögerungsschäden“ angedroht – falls nicht die Einwendungen und Anträge zurückgezogen werden. Auf „Vertragsbrüchigkeit“ stützt sich die Begründung der Energie AG. In den abgeschlossenen Dienstbarkeitsverträgen hätten sich die Betroffenen unter anderem verpflichtet, die Errichtung der Leitung zu dulden und alles zu unterlassen, was eine Beschädigung oder Störung derselben zur Folge haben kann – „dementsprechend“ auch das Einbringen von Einwendungen oder Rechtsmitteln, heißt es.

„Mund halten oder Existenzvernichtung!“

Diese Klausel allerdings findet sich in den Verträgen nicht. Die Drohungen der Energie AG sind glatt rechtswidrig: Als Partei im Bewilligungsverfahren darf sich jeder zur Sache äußern. Ein Dienstbarkeitsvertrag ist nicht dazu da, dieses rechtsstaatliche Verfahren zu sabotieren. Und zu dulden hat man die Leitung überhaupt erst dann, wenn sie tatsächlich besteht oder konkret gebaut wird. Die angedrohten Konsequenzen heißen also nichts anderes als „Mund halten oder Existenzvernichtung“. Denn allein die Haftungskosten für eine verzögerte Hochspannungsleitung lassen sich leicht auf hunderttausende Euro beziffern. Das treibt unabhängig vom Ausgang die Prozesskosten in die Höhe. Für den Milliardenkonzern Energie AG „Peanuts“ – für Betroffene ruinös.

Dass einzelne seiner Mandanten diesem Druck weichen, versteht Anwalt Wolfgang List: Die Energie AG könne einfach den Streitwert maximal hoch ansetzen; das sei unabhängig vom Ausgang des Verfahrens für den Einzelnen bedrohlich. Aber auch er verurteilt das Vorgehen der Energie AG scharf, zumal sich am Verfahren dadurch gar nichts ändere. Ziel der Betroffenen ebenso wie der Gemeinden in der Region ist nach wie vor, die Stromversorgung umweltfreundlicher durch ein Erdkabel statt der geplanten Freileitung abzusichern.

Stellungnahme aus Brüssel mischt die Karten neu

Neue Hoffnungen auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Gegner der geplanten 110-kV-Freileitung: Der Europäische Gerichtshof übermittelte jetzt eine Stellungnahme der Kommission zur Frage der UVP-Pflicht der Leitung. Danach sind die Fällungen in den betroffenen Waldgebieten, sogenannte Trassenaufhiebe, doch als Rodung zu betrachten. Die Konsequenz könnte eine Neuverhandlung des gesamten Projekts sein.
Foto: Sie formulierten die Stellungnahme der Freileitungsgegner an den Europäischen Gerichtshof: Anwälte Dr. Wolfgang List und Mag. Fiona List (Bild: nachrichten.at)

Strittig ist seit langem, ob die Trassenaufhiebe für die Freileitung rechtlich als Rodungen gelten. Denn ab 20 Hektar Rodungsfläche muss für das Projekt eine UVP durchgeführt werden. Und in der UVP ist auch die Erdkabel-Alternative ein Thema, die Gemeinden und Anrainer zusammen mit der Initiative „110 kV ade!“ fordern. Das Verfahren zur Bewilligung der Rodung der Maststandorte warf bereits Fragen auf, wie groß die Waldflächen überhaupt sind: Aus allen vorherigen Verfahren ergibt sich eine Fläche von 39 Hektar. Nach Jahren „präzisierte“ die Energie AG gegenüber dem Landesverwaltungsgericht, sie wolle nur 18,25 Hektar beanspruchen – somit knapp unter jener Schwelle für Rodungsflächen, die UVP-Pflichtig wären. 

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat nun zu entscheiden, ob die Trassenaufhiebe überhaupt als Rodungen gelten. Denn auch das bestritt die Energie AG, und die Gerichte folgten ihr bisher. Der Verwaltungsgerichtshof in Wien war sich da unsicher und legte die Frage dem EuGH vor. Bei der Entscheidung wird auch die Stellungnahme des jurristischen Diensts der Europäischen Kommission eine Rolle spielen. Dort hat eine „weite Auslegung“ der UVP-Richtlinie Vorrang – mit der Folge, dass im Zweifelsfall eben erst durch eine UVP herauskommt, wie schwerwiegend die Trassenaufhiebe sind. Eine Absage erteilt die Kommission damit ausdrücklich auch dem Argument der Energie AG, es liege ja gar keine völlige „Entwaldung“ vor, daher sei es auch keine Rodung. 
 
Verhandlung in Luxemburg könnte Showdown werden
Auf eine spannende Verhandlung vor dem EuGH freut sich bereits Dr. Wolfgang List. Er vertritt einige der Gemeinden sowie Betroffene. Die Argumentation seiner Kanzlei sieht er voll bestätigt. Im Gerichtshof in Luxemburg siegte er bereits einmal in einem UVP-Fall, der eine Novelle des österreichischen UVP-Gesetzes erzwang. Der Erfolg: bessere Rechte für Nachbarn bei Vorhaben, deren UVP-Pflicht strittig ist. Die Neuverhandlung der 110-kV-Leitung im Rahmen einer UVP sehen die Betroffenen als große Chance, die Stromversorgung solider und umweltfreundlicher mit einem Erdkabel zu sichern. Die Landesregierung und die Energie AG hatten diese Lösung stets abgelehnt.

Signalwirkung für zukünftige Leitungsvorhaben in ganz Österreich erwarten sich auch andere Bürgerinitiativen. Im Gegensatz z. B. zu Dänemark, Deutschland und der Schweiz halten Netzbetreiber, Politik und Behörden nach wie vor an der Freileitungs-Technologie fest.

Stromausfälle durch Sturmschäden – hier die wahre Ursache

Adobe SparkDie Medien haben ja ausführlich und mit großem Einsatz über die katastrophalen Folgen des Sturms berichtet, der über unser Land hinweggefegt ist. Unter anderem war ein Drittel der Haushalte in OÖ ohne Strom, davon Tausende tagelang – trotz Hunderter Spezialisten, die bis heute unter Aufbietung aller Kräfte daran arbeiten, die Störungen im Versorgungsnetz zu beheben. (Danke!)

Wovon jetzt die Rede sein sollte:

  • Erstens, das war nicht die erste Wetterkapriole, die unsere Stromversorgung lahmgelegt hat. Und es wird nicht die letzte sein. Die Schäden summieren sich auf sehr viele Millionen, besonders inklusive der volkswirtschaftlichen Folgeschäden. Diese Folgeschäden trägt letztlich die Bevölkerung.
  • Zweitens: Die Ursache sind aber auch Freileitungen, die überhaupt erst für Wetterschäden anfällig sind! Erdkabel würden die allermeisten dieser Stromausfälle vermeiden. Und es sind ja nicht nur Stürme. Auch Eisregen und andere extreme Wetterlagen (die immer mehr zunehmen) oder Unfälle betreffen nur Freileitungen.

Es ist gewiss: Würde man wenigstens die exponiertesten Freileitungen in die Erde verlegen und neue Leitungsprojekte wie die 110-kV-Leitung Vorchdorf–Kirchdorf als Erdkabel ausführen, würde sich das über die Lebensdauer dieser Leitungen bestimmt auszahlen – und den Menschen sowie der Wirtschaft solche Stromausfälle ersparen! Übrigens verläuft die geplante Trasse „unserer“ Leitung mehrfach über Kilometer solcher exponierter Strecken! Und der Slogan der Energie AG lautet: „Wir denken an morgen“.

Agrargemeinschaft Pettenbach sieht sich von Energie AG erpresst

Mit großer Mehrheit entschieden die rund 50 Mitglieder der Agrargemeinschaft Pettenbach, sich lieber enteignen als von der Energie AG kaufen zu lassen. Fast 40 Prozent mehr Entschädigung hatte der Konzern den Landwirten dafür geboten, dem Bau der Freileitung durch ihren Wald in Steinbach zuzustimmen.
Agrargemeinschaft-Obmann Franz Radner: „Die Mehrheit der Mitglieder fasste diese Ungleichbehandlung als Erpressungsversuch auf.“ (Foto: nachrichten.at)

Seit Wochen laufen Enteignungsverhandlungen des Landes OÖ gegen betroffene Grundeigentümer, die dem Bau der Freileitung nicht zustimmen. Empörung herrscht weithin nicht nur über die Enteignungen an sich. Auch die behördlich zugesprochenen Entschädigungen werden als viel zu gering angesehen.

Vor diesem Hintergrund werden auch die Angebote der Energie AG beurteilt, mit denen Zustimmungen erkauft werden. Die Oö. Nachrichten zitieren Radner: „… das sieht ja auch keiner ein, dass man für eine Meinung und einen Standpunkt, die man doch wohl noch haben darf, bestraft werden soll.“ Soll heißen: Teils zehntausende Euro Einbußen dafür, dass ein Grundeigentümer gegen die Freileitung ist – wohlgemerkt: Nicht gegen die Stromversorgung, denn die Forderung der Betroffenen lautet ja, die Leitung unter der Erde zu verlegen.

„Verscherzt“ habe es sich die Energie AG mit den Leuten durch ihre Vorgangsweise, sagt Franz Radner laut Bericht der Oö. Nachrichten. Mit den Mitgliedern der Agrargemeinschaft und der Bevölkerung der Gemeinden zwischen Vorchdorf und Kirchdorf schaut man jetzt mit Spannung nach Luxemburg, wo vielleicht noch in diesem Jahr beim Eurpäischen Gerichtshof eine Vorentscheidung über die UVP-Pflichtigkeit der geplanten Freileitung fällt. (Siehe vorigen Bericht.)

Stopp für Freileitung? Richter machen Weg zum EuGH frei

Durchbruch nach einer langen Durststrecke für die Erdkabelkämpfer : Der Verwaltungsgerichtshof lässt nun vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) prüfen, ob die „Trassenaufhiebe“ für die geplante 110-kV-Freileitung das ganze Projekt UVP-pflichtig machen. Für die Energie AG wäre das ein „zurück auf Null“ nach fast 8 Jahren.
Aktuelle Presseberichte unter MEDIENBERICHTE
(Foto: War schon 2015 vor dem EuGH mit einem spektakulären UVP-Fall erfolgreich: Initiativen-Anwalt Dr. Wolfgang List mit Kanzleikollege Mag. Piotr Pyka.)

Fünf Anläufe brauchte es, bis erstmals ein Richterkollegium Zweifel an der Version der Energie AG bekam – nämlich, dass die Schlägerungen für die Freileitung keine Rodung seien und deswegen auch keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) auslösen können. Je zwei Instanzen im Rodungsverfahren und im UVP-Feststellungsverfahren wiesen die Beschwerden von Grundbesitzern und Gemeinden zurück.

Letzte Hoffnung war seit Anfang des Jahres die Revision beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH). Hier türmte Anwalt Dr. Wolfgang List nochmals alle Belege auf, die nach Ansicht der Betroffenen klar aufzeigen, dass die Formel der Energie-AG „Vorher Wald, nachher Wald!“ nicht stimmt. Lists Vorschlag, dem EuGH in Luxemburg eine so genannte Vorabentscheidungsfrage vorzulegen, hatte jetzt Erfolg. Mit Beschluss vom 11. Mai richtete der VwGH die entscheidende Frage an die Richter in Luxemburg.

Europäische UVP-Richtlinie steht über nationalem Recht

Wenn der EuGH befindet, dass die Trassenaufhiebe Rodungen gleichzusetzen sind, würden – wie schon in einem gleichartigen Fall in Kärnten – sämtliche Bewilligungen für die Freileitung seit 2011 hinfällig, weil eine UVP durchgeführt werden müsste. Die Energie AG stellt die Fläche der Waldtrasse zwar seit dem Beginn der forstrechtlichen Verfahren so dar, dass der Schwellenwert von 20 Hektar knapp verfehlt würde – doch damit widerspricht sie den eigenen Angaben in allen vorangegangenen Verfahren, die auf 39 Hektar Waldflächen hinauslaufen.

List zeigt sich zuversichtlich und hocherfreut. Er hatte bereits im Jahr 2015 vor dem EuGH eine deutlich bessere Rechtsstellung von betroffenen Nachbarn im UVP-Recht gegen die Republik erstritten und damit eine Gesetzesnovellle erzwungen. Der EuGH legt die geltende Richtlinie häufig umweltfreundlicher aus als nationale Gerichte. Für die Betroffenen in der Region und die Initiative „110 kV ade!“ stellt sich einmal mehr die Frage, ob nun nicht eine politische Entscheidung für die Erdverkabelung der leichtere und schnellere Weg wäre, die Stromversorgung für die Region langfristig und ökologisch besser zu sichern.

„Runder Tisch“ Energie AG – Landeshauptmann – Betroffene?

110-kv-leitung pressekonferenzDas überraschende Ergebnis einer Pressekonferenz in Steinbach: Landespolitiker wollen sich nun noch einmal für eine Konsenslösung für die 110-kV-Leitung Vorchdorf–Kirchdorf einsetzen. Der Vorschlag, dazu einen Runden Tisch einzuberufen, kam von Bundesrat Ewald Lindinger. Anlass: Neuer Landehauptmann, neuer Generaldirektor bei der Energie AG – und über 50 beantragte Enteignungsverfahren!
Foto:
Pressekonferenz-Teilnehmer am Podiom v. l. n. r.: Holzinger, Gruber, Lindinger, Dörfel, Lancaster, Promberger, Cramer, Pirklhuber

(Erste Pressemeldungen liegen unter MEDIENBERICHTE vor.)

Eher düster begann die Pressekonferenz am 24. 3. 2017 in Steinbach, zu der Bürgermeisterin Bettina Lancaster eingeladen hatte: Sowohl LA Christian Dörfel als auch 2. Landtagspräsident Adalbert Cramer sahen die bekämpfte Freileitung als Realität, der man sich nun stellen müsse. Auch von den übrigen PolitikvertreterInnen am Tisch kam zwar Bedauern, dass die Erdkabel-Alternative angeblich nun keine Chance mehr hätte, aber Hoffnung mochte niemand mehr verbreiten – bis Bundesrat Ewald Lindinger den Vorschlag eines Runden Tischs in die Runde warf. Der Versuch soll nun gemacht werden.

Zuvor gab es herbe Kritik von „110 kV ade!“ an der „Politikverweigerung“ der Landesregierung. Dörfel hatte geäußert, man habe „alles versucht“, um ein Erdkabel durchzusetzen. Dagegen wandte sich Initiativensprecher Michael Praschma mit dem Hinweis, die Landtagsabgeordneten hättes es sich z. B. einfach gefallen lassen, dass LH Pühringer und LR Strugl sie mit falschen Zahlen über die Erkabelkosten abgespeist hätten.

Initiative will an gemeinsamer Lösung mitwirken
Als betroffener Grundeigentümer wies Karl Helmberger auch darauf hin, dass mit dem neuen Windkraftmasterplan des Landes jetzt auch das Argument der Windenergie-Einspeisung hinfällig sei, weil in Trassennähe keine Windkraftanlagen mehr vorgesehen seien. „110 kV ade!“ ist jedoch jedenfalls auch weiterhin daran interessiert, an einer Konsenslösung mitzuarbeiten.

Zusätzliche Forderung an den zuständigen Landesrat Strugl: Für die Enteignungsverfahren solle wenigstens ein anderer Gutachter bestellt werden, der den Wertverlust der Grundstücke vollständig in seine Berechnungen für Entschädigungen einbezieht.

Schriftliche Statements aller TeilnehmerInnen am Podium im Anhang „Pressekonf. Steinbach 2017″