Was so alles „absoluter Blödsinn“ für die Energie AG ist

Siegesgewiss gibt sich die Energie AG derzeit, was die Fertigstellung der 110-kV-Freileitung Vorchdorf–Kirchdorf betrifft. „Wenn alles problemlos läuft, sollten wir im ersten Halbjahr 2021 fertig sein“, zitiert die Bezirksrundschau am 24.8.2020 den Sprecher des Energiekonzerns, Wolfgang Denk. Doch die Leiterseile, die derzeit montiert werden, hängen an einem seidenen Faden.
Foto: Franz Staudinger/meinbezirk.at

In der Tat wirken die Baufortschritte ehrfurchtgebietend. Und das sollen sie wohl auch, denn weiteren Widerstand aus der Bevölkerung und von den Gemeinden hat die Energie AG satt, soviel ist offensichtlich. Zugleich weiß das Unternehmen genau, dass die noch offene Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs zur Umweltverträglichkeitsprüfung wie ein Damoklesschwert über den vielen verbauten Millionen hängt. Daher ist Denk wohl auch unwillkürlich eine etwas grobe Äußerung herausgerutscht – und zwar zum Thema „Aufrüstung auf noch höhere Stromspannung“. Der Verdacht war schon in der Vergangenheit immer wieder aufgekeimt: 220 statt der 110 kV, also das Tausendfache der Spannung, die bei den Steckdosen im Haushalt anliegt.

„Das ist absoluter Blödsinn“, so Denk. „Dafür haben wir gar keine Genehmigungen und es ist auch von der Infrastruktur dafür nicht ausgelegt.“, schreibt die Bezirksrundschau. Die ganze Wahrheit sagt Denk damit aber wieder einmal nicht. Denn die Netzbetreiber arbeiten schon seit Jahren zielstrebig daran, eine solche Aufrüstung leichter zu ermöglichen.

Erleichterungen im Starkstromwegerecht angestrebt

Es steht bereits im Regierungsübereinkommen – und die Stromwirtschaft wird daran nicht unbeteiligt gewesen sein: Für Erweiterungen und Änderungen bereits bestehender Leitungen sollen Erleichterungen der gesetzlichen Regelungen im Starkstromwegegesetz „geprüft“ werden. Das heißt nichts anderes als eine Einschränkung der ohnehin ungeliebten Einspruchsrechte der Betroffenen.

Und auch was die Technik betrifft, wirft der Energie-AG-Sprecher Nebelgranaten. Denn aus einer 110-kV-Leitung eine Höchstspannungsverbindung etwa mit 220 kV zu machen, ist längst keine Raketenwissenschaft mehr. Schon 2012 wurde im Rahmen des deutschen „Technikdialogs“ von der Bundesnetzagentur eine Lösung für die Aufrüstung einer 110-kV-Freileitung auf Höchstspannung vorgestellt, bei der dieselben Masten weitergenutzt werden können. Und der auf deutschen Modellen basierende Netzentwicklungsplan der APG („Verbund“) von 2018 strebt unter dem Stichwort NOVA (Netzoptimierung vor Ausbau) an, die 110-kV-Leitungen der Verteilernetzbetreiber mit den eigenen Höchstspannungsleitungen zu „bündeln“. Das Feld ist also abgesteckt.

Besonders dreist

… sind die Aussagen von Konzernsprecher Denk auch angesichts eines bereits bestehenden gemeinsamen Projekts mit der APG im Zentralraum. Im eigenen „Hochspannungsblog“ der Energie AG heißt es: „Geplant ist, dass die bestehenden 110-kV-Leitungen durch einen 220-kV-Versorgungsring ersetzt werden.“ Die Befürchtungen, dass eines Tages die gesundheitliche Belastung durch Magnetfelder im Leitungsbereich ansteigt, sind also alles andere als „absoluter Blödsinn“.

Der Widerstand der Kämpfer für eine Erdverkabelung der Leitung im Rahmen der inzwischen bundesweiten Initiative FAIRKABELN wird also, anders als im Rundschau-Artikel befürchtet, durch derartige Provokationen eher noch wachsen.

Ein Gedanke zu „Was so alles „absoluter Blödsinn“ für die Energie AG ist

  1. Auch wenn behauptet wird, dass die Enteignungen nur auf eine 110 KV Leitung beschränkt werden, so kennen wir doch schon die Hintertür durch die die enteigneten Grundbesitzer hinters Licht geführt werden sollen. Eine kleine „Anlassgesetzgebung“ (wie bei der Rodungsgrenze zur UVP) wird ein Upgrade auf 220 KV sang und klanglos über Nacht ermöglichen. Gespeist wird der geplante 220 KV Ring höchstwahrscheinlich aus dem neuen Reaktor in Temelin, baut doch auch die tschechische EON als Netzbetreiber bereits eine Leitung in Richtung Grenze. Die Linz AG und die Energie AG plant in trauter Gemeinsamkeit, ausnahmsweise über die Grenzen der Farbenlehre hinweg, eine 110 KV (Upgrade auf 220 KV schon in der Schublade) Leitung durch das Mühlviertel. Ein bombastisches Umspannwerk an der Grenze (Rainbach) haben sie dazu schon errichtet.
    Was wird nach der nächsten Landtagswahl passieren? Die Blauen schwächeln und fliegen höchstwahrscheinlich aus Koalition mit den Schwarzen. Wahrscheinlich werden sie, wie schon vor deren ´koalitionären Zeiten, plötzlich wieder gegen die Freileitung sein. Die Grünen scharren schon in den Startlöchern und biedern sich als mögliches „Beiwagerl“ an. (Der Hr. Anschober hat so jahrelang an seine „Karriereplanung“ gearbeitet, es ist ihm halt leider immer etwas „durchgerutscht und Hr. Kaineder bemüht sich, sich zu „koalitionsgefährdenden“ Themen nicht zu äußern.) Rot bemüht sich leider „nicht aufzufallen“, bzw. dem Hrn. Luger bei seiner Sanierung des Stadt-Schuldenstandes (Einnahmenseitig über die Linz AG) nicht in die Quere zu kommen.
    Was lernen wir daraus? Alle drei Parteien sind für alle jene, denen die Gesundheit und die Zukunft ihrer Kinder und natürlich auch der Erhalt unseres Landschaftsbildes etwas wert ist, unwählbar. So bleibt uns nur eine klare Wahlempfehlung für die NEOS oder wir gründen endlich Bürgerlisten, die lokal-politisch etwas bewegen.

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