Mit der Bitte um Kenntnisnahme! – Ist da jemand?

Man kann alles eine Weile ignorieren; einiges auch immer; aber man kann nicht alles die ganze Zeit ignorieren. Deshalb eine Stellungnahme an Landespolitik, Netzbetreiber und Medien zum öffentlichen Echo auf die Kundgebung „Erdkabel statt Freileitung“ am 28.2.2019 in Linz.

_DSC1270Warum schafft es z. B. Stelzer nicht, auf solche Aussagen einzugehen? – Eines der zahllosen Transparentslogans bei der Kundgebung vor dem Landhaus. (Dieses Foto und weitere am Ende des Artikels: Manfred Voit)

Es war eine Premiere, und sie war imposant. Drei Initiativen, die die Bevölkerung ihrer Regionen für dasselbe Ziel hinter sich haben, demonstrieren mit 1500 Menschen vor dem Landhaus in Linz. Sechs Tage später (!) greift der ORF Oö. – eines der Leitmedien des Landes – das Thema sachlich auf. Die Kundgebung wird dabei nicht erwähnt.

Nein, es geht nicht um Medienschelte! Auch wenn es sehr erboste E-Mails (übrigens nicht gelenkt von irgendwem!) gab: Wir glauben den Journalist*innen ihren guten Willen. Und wir wissen auch, dass es schwierig ist, die ganze Geschichte in wenigen Spalten bzw. Minuten unterzubringen. Aber ein paar Dinge sind doch eigentlich einfach.

Trump und Oberösterreich

Dass von Donald Trump im Durchschnitt 7-mal täglich etwas kommt, was einfach nicht stimmt, das benennt schon lange praktisch jedes seriöse Medium als Lüge. Weil es Tatsache ist. Denn Fakten ebenso wie Falschaussagen aufzuzeigen, das ist die Pflicht. Anständige Kommentare dazu, das ist dann noch die Kür. Warum muss man das überhaupt erwähnen? – Weil es z. B. Tatsache ist, dass

  • die Energie AG nachweislich wiederholt die Öffentlichkeit zum Thema „Freileitung oder Erdkabel“ getäuscht und in die Irre geführt hat, ebenso sogar den oö. Landtag mit massiv falschen Zahlen zu den Kosten eines Erdkabels;
  • die Landesregierung ohne jede Rechtfertigung mit zweierlei Maß misst: Erdverkabelungen sollen keine politische Entscheidung sein, obwohl viele hundert Quadratkilometer Landschaft und zigtausende Menschen allein von neu geplanten 110-kV-Freileitungen betroffen sind – während andere Projekte, die genauso behördlich bewilligt werden müssen, sehr wohl politisch entscheiden werden.

Das sind bloß die großen zentralen Punkte. Von denen könnte man eigentlich ebenso selbstverständlich ausgehen wie von Trumps Umgang mit Fakten. Dann gibt es noch gebrochene Versprechen wie das von Haimbuchner: Solange ich Landesrat bin, wird die Leitung nicht über Steinbach gebaut – dann hat er sie bewilligen lassen. Oder von der ÖVP: Massenenteignungen lehnen wir ab – was aber nicht etwa hieß, dass man etwas dagegen unternimmt!

Heiße Luft und Nebelkerzen – wo bleibt die Strafe?

Wir nehmen für uns in Anspruch, in der Sache stets hart, aber objektiv und an Inhalten orientiert zu informieren. Bei unseren Gegnern ist das sehr oft anders. Und das Schlimme daran: Es wird wie eine sachliche Aussage wiedergegeben, obwohl es häufig Fake News und manchmal sogar Bullshit ist. Mindestens aber Ablenkung, Beschwichtigung, Worthülsen.

Extremes Beispiel: Kaum eine Stunde nach Abschluss der Kundgebung in Linz „reagierte“ Energielandesrat Achleitner mit einer über 380 Worte umfassenden „Stellungnahme“, die mehrere Medien aufgriffen. Das Signal sollte wohl sein: Wir kümmern uns.

Dass diese „Stellungnahme“ offensichtlich längst vorher fertig war – geschenkt. Dass sie ausschließlich (!) Allgemeinplätze enthält – sollte ihren Nachrichtenwert allerdings bereits gegen Null senken. Dass darin aber nicht einmal das Wort „Erdkabel“ vorkommt, geschweige denn eine Auseinandersetzung mit den Forderungen der Demonstranten, sollte vielleicht doch Anlass zur Frage sein, ob man das als „Stellungnahme“ überhaupt akzeptiert und veröffentlicht.

Wenn dann auch noch Konzernsprecher Denk von der Energie AG mit der Aussage, es „wäre auch eine Versachlichung notwendig“ zitiert wird, ohne dies zu hinterfragen – so ist auch das eine passende Fußnote.

Das ist hier keine Seifenoper

Das Mediengeschäft ist kein Zuckerschlecken. Politik auch nicht. Wissen wir. Und wir anerkennen und respektieren Leute aus beiden Bereichen, die ihren Job engagiert und anständig machen. Der Rest soll bitte seine Hausaufgaben erledigen. Wir machen unsere zum Teil schon seit viel zu vielen Jahren. Weil es um die Lebensqualität unzähliger Menschen Im Land geht. Teils um ihre Existenzen. Um unsere Umwelt. Und um die Überheblichkeit eines Milliardenkonzerns, der mit Duldung des Landeshauptmanns und seiner Freunde über all das kaltblütig drüberfährt. Aber wir werden mehr, und wir werden keine Ruhe geben, bis die wohlbegründete Forderung nach einer ökologischen Stromversorgung mit Erdkabeln erfüllt ist.

2 Gedanken zu „Mit der Bitte um Kenntnisnahme! – Ist da jemand?

  1. Sehr geehrte Damen und Herren!
    Dank ihrer regelmäßigen Aussendungen bin ich über ihre Situation informiert und auf dem Laufenden.
    Meine Heimat ist das Waldviertel und auch wir kämpfen gegen die Inanspruchnachme unserer Landschaft für den Bau von Windkraftanlagen. Diese sind in unseren Wäldern geplant. Ohne Rücksichtnahme auf dieses wertvolle Ökosystem, dass uns als einziges gegen die Widrigkeiten der sich gegenwärtig entwickelnden Klimakrise schützt. Dafür sollen Zufallsstrom-Produzenten errichtet werden, deren Strommengen nicht für uns Bürger, sondern für die- abgesicherten- Renditen der Betreiber erzeugt werden. Zum Transport dieser zeitweilig anfallenden Strommengen müssen Netzausbauten vorgenommen werden, die eigentlich nicht für den österreichischen Bedarf nötig sind, sondern für den europaweiten Stromhandel. Auch wir stoßen auf taube Ohren bei allen Politikern. Sie scheinen allesamt Exekutivorgane für die Wünsche der Wirtschaft zu sein.
    Es bleibt uns nur eines: konsequent für den Schutz unserer noch verbliebenen Natur einzutreten.

    Mit solidarischen Grüßen, Alfred Schmudermayer, BI Windparkfrei Horn

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